Wegen dieser Abbildung von Jesus Christus habe ich heute Post vom LKA bekommen. Vorwurf: Beschimpfung von Bekenntnissen. Es handelt sich nicht etwa um eine Photomontage, das Bild stammt aus der Kirche von Warr Acres und hat wegen der phallisch anmutenden Bauchmuskeln eine Kontroverse ausgelöst. Die Polizei ist wirklich nicht zu beneiden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Christ hinter der Anzeige steckt.
Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit wuchs eine Generation mit so vielen Western heran wie die Jugend der Siebzigerjahre. In beinahe jedem Haushalt stand ein Fernseher, der am späten Nachmittag „Western von Gestern“ zeigte, dann „Zorro“ und am Abend irgendetwas mit John Wayne oder Pierre Briece. Spielzeugläden wandelten sich zu Cowboybedarfseinrichtungen, kleine Jungs steckten die 36 Silberplättchen aus Plastik in ihre Original-Silberbüchse oder deklarierten einen mittelgroßen Ast zum Bärentöter um, lasen bis zur Geisterstunde Karl May und schlichen sich mit bedeckten Augen (denn im Mondenschein reflektiert das Weiß des Augapfels das Licht!) lautlos an feindliche Lager an. Und doch hat diese Generation fast überhaupt keine Kuhhüter hervorgebracht. Weiter bei Deus ex Machina
“Es geht nicht nur der Mensch ins Netz, um sich zu paaren, Paarungsrituale des Netzes dringen auch in die Wirklichkeit. Der Fußballspieler Cristiano Ronaldo, Bauchmuskelbesitzer und Frisurentrendscout, hat das Netz verstanden.
„Me, You, Fuck, Fuck!“ Mit diesen Worten umgarnte der junge Geltransporteur eine Kellnerin im ewig jungen Los Angeles und führte damit die Sprache der YouTube-Kommentatoren in die Welt der Liebe ein.”
Heribert Prantl hat in mehreren Artikeln in der Süddeutschen Zeitung überzeugend dargelegt, warum die Staatsanwaltschaft in Duisburg wegen Fahrlässiger Tötung ermitteln muss. Und zwar nicht gegen Unbekannt, sondern gegen konkrete Personen: “Der Oberbürgermeister ist nicht “unbekannt”. Und der Veranstalter der Loveparade heißt Rainer Schaller; er ist auch nicht “unbekannt”. (…) Bekannt sind auch der Chef des städtischen Ordnungsamtes, der Chef des Bauamtes, der polizeiliche Einsatzleiter. Bekannt sind die Chefs der privaten Ordnungsdienste.”
Es geht hierbei nicht um Rachejustiz oder Bauernopfer, sondern um ein geordnetes Verfahren. Prantl schlägt vor, Sauerland könne solange sein Amt ruhen lassen. So bliebe Sauerland, sollten sich die Vorwürfe als haltlos erweisen, die Rückkehr ins Amt (es gibt in seinem Fall die Besonderheit, dass er durch einen Rücktritt sämtliche Pensionsansprüche verlöre, er sieht also seine Existenz durch diesen Schritt gefährdet).
Warum tatsächlich auch die Einsatzleiter der Polizei und die Verantwortlichen der Ordnungsdienste in den Fokus der Ermittlungen gehören, verdeutlicht dieses Video.
Es ist an der Treppe aufgenommen zum Zeitpunkt der Katastrophe und es zeigt ein Ausmaß an Inkompetenz, das niederschmetternd ist. Völlig willkürlich werden einzelne Personen aus der Menge gezogen und so der Ansturm auf die Treppe erst angefeuert. Es kommen keine zusätzlichen Kräfte, es gibt keine Lautsprecherdurchsagen. Ich war auf Schulfesten, die besser organisiert waren.
Das Video selbst ist schwer verdaulich und man sollte es sich besser nicht allein angucken, was ich leider eben getan habe.
Rainer Meyer hat für die FAZ ein neues Blog entwickelt. Zur Einführung schreibt er:
“Journalisten weigern sich, Blogs zu lesen, Politiker möchte das Internet regulieren. Wenige Mitglieder der deutschen Eliten haben Lust, über dieses Ding da draussen in den Netzen anders als mit Abscheu zu reden, während anderswo Banken mit Bewertungsmodellen in Rechnern und Internethandel die Wirtschaft ungehindert an den Abgrund bringen, Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Datensätzen ausspionieren und sich unter den Milliarden Internetnutzern durchaus kluge Leute finden, die was zu sagen haben. Mit denen man reden kann. Die man dort kennen und vielleicht sogar lieben lernt.”
Zusammen mit Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, Violandra Temeritia von Avila und Don Alphonso Moltogulax Acedianus werde ich als Nicander A. Indescretius von Saage für Unterhaltung sorgen.
Ich war ganz sicher, dass dieses Lied ein Scherz ist, aber anscheinend meinen die Jungen Liberalen es ernst.
Von der Splitterpartei zur Splatterpartei.
Seit einigen Wochen ist “Louie”, die neue Serie von Louis CK angelaufen. Nachdem seine erste HBO-Serie “Lucky Louie” nette Momente hatte, aber insgesamt trotz gesunden Masturbationshumors erstaunlich altbacken daherkam, ist “Louie” ein sofortiger Klassiker.
Das Leben ist in “Louie” eine alte Drecksau mit Mundgeruch, ein Date endet immer im Elend (selbst wenn es gut läuft, lebt man ein paar Jahrzehnte miteinander und dann STIRBT einer der beiden!) und die sonstigen Umstände, meist in Gestalt anderer Menschen, sind auch eher beklagenswert. Und dann versucht man auch noch, kein allzu großes Arschloch zu sein, na wie soll das denn klappen?
Von drei Berufsgruppen wünsche ich mir, dass sie den folgenden Ausschnitt aus der zweiten Folge anschauen, in Seminaren nacherzählen, memorieren, stenographieren und darüber diskutieren: deutsche Rapper, deutsche Berufsempörte und deutsche Comedians. Unser aller Leben könnte danach ein etwas kleinerer Drecksack sein. Aber Hoffnung, heißt es ja, die ist es, die dich wirklich tötet.
“Ohne Porn wäre das Leben auch vollkommen ein Irrtum”, sagt Klaus Lemke. Ich habe keine Ahnung, was die Junge Union dazu sagt, wahrscheinlich hat sie Lemke längst verbieten lassen.
Video ist ziemlich NSFW und vermutlich bald von Youtube verschwunden.
Magersüchtige Mädchen werden hier in den Hungerselbstmord getrieben, Kinder werden vergewaltigt, ausgebeutet, erniedrigt, Menschen verkaufen ihre Körper gegen Drogen, Diktatoren tyrannisieren ihre Völker und machen dann Urlaub in den Bergen, Biosphären werden vernichtet, Serienmörder treiben ihr Unwesen.
Die Wirklichkeit ist die Hölle. Das BKA Der Bund Deutscher Kriminalbeamter will jetzt eingreifen und da er nichts machen kann, beschäftigt er sich von nun an nicht mehr mit der Wirklichkeit, sondern mit den paradiesischen Weiten der Virtualität. Das Internet sei der größte Tatort der Welt, so der BDK.
Im virtuellen Raum liegt der Blutzoll seit Bestehen im überschaubaren Rahmen von Null Millilitern: Kein Mensch wurde jemals am Körper verletzt, niemand vergewaltigt, niemand verlor auch nur ein Kilo Gewicht.
Jeder Beleidiger verschwindet hier durch simples Ignorieren, durch gezieltes Nichtansteuern ist alles Unangenehme für immer aus den Augen verschwunden. Ginge das bloß in der U-Bahn!
Der größte Tatort der Welt, so nennt der BDK das Internet und man möchte dem BDK Blumen schicken mitsamt einer tröstenden Postkarte: “Mach‘ nicht so viele Überstunden, lieber BDK, geh einfach mal früher nach Hause, schmeiß den Rechner an, nimm eine bequeme Haltung ein, geh auf Cuteoverload, lies ein paar Sachbücher auf google.books, schau dir den ein oder anderen Stop-Motion-Film auf youtube an, vorzugsweise mit Legofiguren und dann lach halt mal. Am besten über dich.”